Gemeinde St. Stefan im Gailtal

Chronik

Geschichte Althofens

Althofen kann als Siedlungsplatz auf eine Jahrtausende alte Geschichte zurückblicken und ist seit über 700 Jahren einer der bedeutendsten Wirtschafts- und Handelsplätze Kärntens.

Der Namen Althofen ist in einer zwischen 1041 und 1060 gefertigten Urkunde in der Form Altenhofen („Altanhouven“) erstmals belegt.1 Die Namensform geht auf einen dritten Fall Mehrzahl zurück und bedeutet „bei den alten Höfen“.2 Die heutige Namensform Althofen ist seit 1473 belegt.3

1479 verlieh der Salzburger Erzbischof Althofen ein Wappen in der Form eines Schildes, “zuunterst mit einem gelben Berg, darauf ein Büschel Eisen, gebunden mit zwei gelben Ringen, und auf demselben Büschel und zuoberst im Schild eine gelbe Lilie, alles in einem blauen Feld“, wie es in der Urkunde heißt.4 Berg und Eisen verweisen wohl auf das mittelalterliche Recht Althofens, dass Eisen aus dem Hüttenberger Erzrevier auf den Oberen Markt am Thomasberg gebracht und dort an Althofner Händler verkauft werden musste.5 Nach Wilhelm Deuer könnte die Lilie für die Herrschaft Salzburgs über Althofen stehen.6

Autor: Günther Jannach (Althofen 2018/2021)

Einzelnachweise

(1): Jaksch, A. (Hg.): Monumenta Historica Ducatus Carinthiae, III (Klagenfurt 1904), 258.
(2): Pohl, H.: Kleines Kärntner Namenbuch (Klagenfurt 2013), 38 f. u. 42.
(3): Pohl, H.: Kleines Kärntner Namenbuch (Klagenfurt 2013), 42.
(4): Wießner, H. (Hg.): Monumenta Historica Ducatus Carinthiae, IX (Klagenfurt 1972), 525.
(5): Dinklage, K.: Grundzüge der geschichtlichen Entwicklung Althofens. In: Gemeinde Althofen (Hg.): 700 Jahre Markt Althofen, 163-172 (Althofen 1968), 170.
(6): Deuer, W.: Die Kärntner Gemeindewappen (Klagenfurt 2006), 46.

Zeittafel Geschichte

Die ersten Zeugnisse menschlicher Anwesenheit in Althofen sind zwei Steinbeile aus der Jungsteinzeit (~4.000 – ~2.000 v. Chr.)1. Eines fand man 1899 am Oberen Markt, eines 1924 nahe dem Annenturm.2

Bei Renovierungsarbeiten an der Cäcilienkirche stieß man 1988 auf Scherben und ein Henkelfragment aus der späten Bronzezeit (1350 – 850 v. Chr.)3.4

Im Jahre 1900 entdeckte man bei Umbauarbeiten des Bahnhofs ein hallstattzeitliches (~850 - ~300 v. Chr.)5 Hügelgrab,6 welches auf eine Siedlung in näherer Umgebung schließen lässt.

Die Kelten (~300 – 15 v. Chr.) haben keine archäologischen Zeugnisse hinterlassen.7 Nur der keltische Name Matucaium,8 jener römischen, wohl bei Treibach gelegenen Straßenstation,9 lässt auf Besiedelung in dieser Zeit schließen.

Spätestens in der Mitte des ersten Jahrhunderts v. Chr. bildete sich das Königreich der keltischen Noriker (Regnum Noricum), das sich zwischen Tauernhauptkamm, Pack und Save erstreckte,10 und somit auch die Gegend um Althofen einschloss. Nun gewann auch das Hüttenberger Eisenrevier mit seinem Norischen Eisen überregionale Bedeutung.11

15 v. Chr. eroberten die Römer das Land,12 errichteten die römische Provinz Regnum Noricum13 und hinterließen Spuren in Form von Gräbern14 und Inschriftsteinen. Zwei können heute noch an der Pfarrkirche, je einer an der Pfarrkirchhofsmauer, in der Cäcilienkirche und am Mardaunig-Stadel besichtigt werden.15 Von spätantiker (~300 n. Chr. – ~600)16 Besiedelung zeugt nur eine Tonscherbe.17

Mit der beginnenden Slawisierung um 600 n. Chr. mag zwar „die Antike“ enden, das Leben in Althofen ging aber wohl weiter. Denn 1943 wurden in der Gegend des heutigen Flex-Werkes slawische Gräber gefunden,18 und zwar in unmittelbarere Nähe zu römischen Gräbern, die 1971 zum Vorschein kamen.19

Zusammenfassend wusste der antike Mensch also das Leben seit der Bronzezeit hier wohl zu schätzen, denn Matucaium bedeutet womöglich „der gute Platz“;20 eine auch noch heute passende Bezeichnung für Althofen.

Als Erinnerung an das antike Erbe der Stadt erhielten 1968 im Zuge der Einführung von Straßennamen in Althofen21 die Kelten- und die Römerstraße ihre Namen.22

Autor: Günther Jannach (Althofen 2018/2021)

Einzelnachweise

(1): Datierung der Jungsteinzeit in Kärnten nach Gleirscher (Gleirscher, P.: Vom Jäger zum Bauern - Ein Kurzüberblick zur neolithischen (R)Evolution mit Bezug auf die Verhältnisse im Kärntner Raum. In: Carinthia II, 9-17 (Klagenfurt 1994), 16).
(2): Größer, M.: Notizen 161. In: Mittheilungen der k. k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und Historischen Denkmale, 216 (Wien 1899), 216; Piccottini, G.: Archäologischer Atlas von Kärnten (Klagenfurt 1989), 23; Gleirscher, P.: Althofen. In: Bundesdenkmalamt (Hg.): Fundberichte aus Österreich, 741 (Wien 2000).
(3): Datierung der Späten Bronzezeit in Kärnten nach Gleirscher (Gleirscher, P.: Die Hügelgräber von Frög (Klagenfurt 2011),119).
(4): Pichler, G.: Urnenfelderzeit - Althofen. In: Fundberichte aus Österreich, 695 (Wien 1994), 695.
(5): Datierung der Hallstattzeit für Kärnten nach Gleirscher (Gleirscher, P.: Die Hügelgräber von Frög (Klagenfurt 2011),119). Die These, die Träger der Hallstattkultur wären Illyrer gewesen, wie es auf der Tafel am Hornturm steht, ist, wie Gleirscher zeigt, nicht mehr haltbar (Gleirscher, P.: Von wegen Illyrer in Kärnten. In: Rudolfinum 2006, 13-22 (Klagenfurt 2006), 18).
(6): Frankl, O.: Die im Jahre 1900 in Kärnten gemachten Funde aus historischer, römischer und prähistorischer Zeit. In: Sitzungsberichte der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, 31-32 (Wien 1901), 32; Jacksch, A.: Kleine Mittheilungen. In: Geschichtsverein für Kärnten (Hg.): Carinthia - Mitteilungen des Geschichtsvereins für Kärnten, 54-55 (Klagenfurt 1901), 55; Gleirscher, P.: Hügelgräber und Herrschaftsbereiche im Ostalpenraum. In: Arheološki vestnik 56, 99–112 (Laibach 2005), 100 f.
(7): Die auf Amberger zurückgehende und auf der Geschichtstafel am Rathaus wiedergegeben These, am Kalvarienberg läge eine Keltensiedlung, (Amberger, E.: Legende zu den Straßen-, Wege- und Plätzebezeichnungen im Ortsbereich der Marktgemeinde Althofen (Althofen 1968), 8) ist nicht belegbar.
(8): Holder, A.: Alt-celtischer Sprachschatz, 1 (Leipzig 1896), 479 u. 483; Holder, A.: Alt-celtischer Sprachschatz, 2, (Leipzig 1904), 684.
(9): Gollmann, S.: Althofen – Ein Markt wird zur Stadt (Althofen 1993), 1 f.
(10): Strobel, K.: Das frühe Stammesreich der keltischen Noriker in Kärnten – Ein Konstrukt der Wissenschaftsgeschichte. In: Lafer, R. / Strobel, K. (Hg.): Antike Lebenswelten - Althistorische und papyrologische Studien, 28-152 (Berlin 2015), 28 ff. u. 57.
(11): Strobel, K.: Das frühe Stammesreich der keltischen Noriker in Kärnten – Ein Konstrukt der Wissenschaftsgeschichte. In: Lafer, R. / Strobel, K. (Hg.): Antike Lebenswelten - Althistorische und papyrologische Studien, 28-152 (Berlin 2015), 75.
(12): Cassius Dio: Römische Geschichte, 54, 20; Florus: Römische Geschichte, 2, 21 f.; Strabon: Geographika, 206.
(13): Strobel, K.: Zwischen Italien und den ‚Barbaren' - das Werden neuer politischer und administrativer Grenzen in caesarisch-augusteischer Zeit. In: Hekster O. / Kaizer, T. (Hg.): Frontiers in the Roman World, 199–231 (Leiden 2011), 220 u. 226.
(14): Größer, M.: Notiz 123. In: Mittheilungen der k. k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale, 214-215 (Wien 1900), 214; Piccottini G.: Althofen. In: Bundesdenkmalamt (Hg.): Fundberichte aus Österreich - Berichte 1971, 56 (Wien 1972), 56.
(15): Corpus Inscriptionum Latinarum, III, 5023 bis 5025 u. 14365/2; Leber, P.: Steininschriften, Nr. 213.
(16): Nach Eichert endete in Kärnten „im späten 6. und frühen 7. Jh. […] die römisch geprägte Spätantike“ (Eichert, S.: Zur frühmittelalterlichen Besiedlung des Ostalpenraums am Beispiel Kärntens. In: Heinrich-Tamaska, O. (Hg.): Untergang und Neuanfang - Tagungsbeiträge der Arbeitsgemeinschaft Spätantike und Frühmittelalter, 107-124 (Hamburg 2011), 107).
(17): Pichler, G.: Römische Kaiserzeit - Althofen. In: Fundberichte aus Österreich, 728 (Wien 1994), 728.
(18): Eichert, S.: Die frühmittelalterlichen Grabfunde in Kärnten (Klagenfurt 2010), 191.
(19): Piccottini G.: Althofen. In: Bundesdenkmalamt (Hg.): Fundberichte aus Österreich - Berichte 1971, 56 (Wien 1972), 56.
(20): Kranzmayer, E.: Ortsnamenbuch von Kärnten, 1 (Klagenfurt 1955), 30. Lambert und Pinault schlugen hingegen als Übersetzung „Bärenwald“ vor (Lambert, P. / Pinault, G.: Gaulois et celtique continental (Genf 2007), 50).
(21): Printschitz, R.: Vorbemerkung. In: Legende zu den Straßen-, Wege- und Plätzebezeichnungen im Ortsbereich der Marktgemeinde Althofen (Althofen 1968).
(22): Amberger, E.: Legende zu den Straßen-, Wege- und Plätzebezeichnungen im Ortsbereich der Marktgemeinde Althofen (Althofen 1968), 2 u. 8.



 

828: Bayern lösen die Slawen als Herrscher in Carantanien ab.

938: Urkunden erwähnen in Althofen eine Burg und am Krappfeld einen Königshof. Diese Besitzungen erhält Hermann, Sohn des Bayernkönigs Arnulf. 15 Jahre später verliert er diese wieder, wegen Hochverrats am deutschen König Otto I.

10.12.953: Der deutsche König Otto I. schenkt dem Salzburger Erzbischof Herold die Burg und den Königshof. Die nächsten 853 Jahre bleibt Althofen im autonomen salzburgerischen Herrschaftsbereich.

1041: Name Altanhooun für Althofen wird erstmals urkundlich erwähnt.

1230: Erzbischof Eberhard II. verleiht Althofen das Niederlags-, das Waag-, und das Mautrecht. Damit wurde der Ort zu einem bedeutenden Umschlagplatz für das Eisen aus dem Hüttenberger Raum.

1246: Der hochstiftische Mauteinnehmer Ramungis wird in den Quellen erwähnt.

1268: Der Markt Althofen wird als solcher urkundlich erwähnt.

1278: König Rudolf erlaubt dem Salzburger Bischof den Markt zu befestigen.

1307: König Albrecht I., erlaubt Erzbischof Konrad IV. den Markt auf den Thomasberg zu verlegen.

1309: König Heinrich VI. bestätigt die Erlaubnis den Markt zu befestigen.

1381: Erzbischof Pilgrim II. bestimmt, dass alles Eisen im salzburgerischen Herrschaftsbereich nach Althofen in den Oberen Markt zur Abwaage kommt und an Althofner Händler zu verkaufen sei.

1400: Erbauung der Kirche in Althofen, zu Ehren des hl. Thomas von Canterbury

ab 15. Jhdt.: Durch die Weiterentwicklung der Eisengewinnung und der Eisenverarbeitung entwickelt sich der Markt zum wichtigsten Wirtschaftszentrum in Kärnten.

1424: Ein sintflutartiger Wolkenbruch fordert in Untermarkt 60 Tote.

1470: Althofen bekommt das Marktrecht verliehen. Damit durfte es den Kerschankirchtagsmartkt, den Martinfreimarkt, den Vieh- und den Krämermarkt abhalten.

1479: Erzbischof Bernhard II. verleiht Althofen ein Marktwappen.

1480: 10 Jahre lang besetzen die Ungarn Althofen, dadurch erlahmt der Eisenhandel.


1511: Die Althofener verlieren in einem Prozess gegen St. Veit das Eisenniederlegungsrecht.

1580: Althofen beginnt selbst mit der Eisenproduktion und errichtet in den Gurkauen ein Hammerwerk.

1608: Karl Veldner legt mit der Gründung des ersten Floßofens in Kärnten den Grundstein für die Treibacher Eisenindustrie.

1698: Der gesamte Hochofenbetrieb kommt in die Hände des Leobener Eisenverlegers Paul Egger.

1753: Max Thaddäus von Egger macht den Betrieb zu einem Weltunternehmen.

1806: Der Markt Althofen wird in eine Staatsherrschaft umgewandelt und damit verliert das Erzbistum Salzburg all seine Güter.

ab 1850: Das Kärntner Eisenwesen kommt in Schwierigkeiten. Die Konkurrenz im In- und Ausland steigt.

1869: Die Hüttenberger Eisenwerksgesellschaft wird gegründet unter Beteiligung des Werkes Treibach.

1884: Der Feuerwehrverein wird ins Leben gerufen.

1887: Die Hochöfen werden niedergeblasen und die Anlage an eine Holzhandelsfirma verkauft.

1889: 12 Männer gründen die Sängerrunde Althofen.

1895: Der Althofener Radfahrverein wird gegründet.

1897: Carl Auer von Welsbach erwirbt die Eisenhütte. Er errichtet ein Forschungsinstitut und ein elektrisches Kraftwerk an der Gurk.

1898: Carl Auer von Welsbach erfindet die Metallfadenlampe.

1903: Carl Auer von Welsbach erfindet den Cereisen-Zündstein.

1905: Carl Auer von Welsbach entdeckt hier zwei neue Elemente.

1907: Die Treibacher Chemische Werke Ges.m.b.H. wird gegründet.

1912: Einweihung der neuen Schule.


ab 1945: Das Gebiet zwischen dem Alten Markt und Treibach wird besiedelt.

1964: Das Musisch-Pädagogische Bundesrealgymnasium zieht in Töscheldorf ein.

1970: Der niederländische Konzern Philips errichtet einen Fertigungsbetrieb.

1973: Gründung der Handelsschule und der Handelsakademie.

1975: Das Kur- und Rehabilitationszentrum Althofen wird eröffnet.

1980: Das Bundesschulzentrum wird eingeweiht.

1981: Die Tilly Holzindustrie nimmt ihren Betrieb auf.

24.6.1993: Althofen wird zur Stadt erhoben.

1994: Fa. Philips läuft unter dem Namen Neutronics weiter.

1997: Fa. Neutronics fusioniert sich mit Fa. Flextronics.