Gemeinde St. Stefan im Gailtal

Chronik

Geschichte Althofens

Althofen kann als Siedlungsplatz auf eine Jahrtausende alte Geschichte zurückblicken und ist seit über 700 Jahren einer der bedeutendsten Wirtschafts- und Handelsplätze Kärntens.

Der Namen Althofen ist in einer zwischen 1041 und 1060 gefertigten Urkunde in der Form Altenhofen („Altanhouven“) erstmals belegt.1 Die Namensform geht auf einen dritten Fall Mehrzahl zurück und bedeutet „bei den alten Höfen“.2 Die heutige Namensform Althofen ist seit 1473 belegt.3

1479 verlieh der Salzburger Erzbischof Althofen ein Wappen in der Form eines Schildes, „zuunterst mit einem gelben Berg, darauf ein Büschel Eisen, gebunden mit zwei gelben Ringen, und auf demselben Büschel und zuoberst im Schild eine gelbe Lilie, alles in einem blauen Feld“, wie es in der Urkunde heißt.4 Berg und Eisen verweisen wohl auf das mittelalterliche Recht Althofens, dass Eisen aus dem Hüttenberger Erzrevier auf den Oberen Markt am Thomasberg gebracht und dort an Althofner Händler verkauft werden musste.5 Nach Wilhelm Deuer könnte die Lilie für die Herrschaft Salzburgs über Althofen stehen.6

Autor: Günther Jannach (Althofen 2021)

Anmerkungen

(1): MHDC, III, Nr. 258. Alle Abkürzungen sind im Quellen- und Literaturverzeichnis aufgelöst.
(2): Pohl 2013, S. 38 f. u. S. 42.
(3): Pohl 2013, S. 42.
(4): MHDC, IX, Nr. 525.
(5): Dinklage 1968, S. 170.
(6): Deuer 2006, 46 f.

Ur- und Frühgeschichte: Funde von Werkzeug aus der Jungsteinzeit (ca. 4.000 – ca. 2.000 v. Chr.), Spuren von Besiedelung aus der späten Bronzezeit (ca. 1350 – ca. 850 v. Chr.) und der frühen Eisenzeit (ca. 850 – ca. 300 v. Chr.).

Altertum: In römischer Zeit (15 v. Chr – 600 n. Chr.) befindet sich in Althofen eine Siedlung, die wohl Matucaium hieß.

Frühes Mittelalter: Siedlungsspuren aus spätkarantanischer Zeit(ca. 740 – ca. 820 n. Chr.).

953: Althofen kommt in den Besitz des Erzbistums Salzburgs.

Um 1200: Die Cäcilenkirche in Untermarkt wird errichtet.

Um 1050: Der Name Althofen wird erstmals urkundlich erwähnt.

1268: Althofen wird erstmalig in einer Urkunde als Markt bezeichnet.

1307: Althofen darf den in Untermarkt gelegenen Markt auf den Thomasberg verlegen und befestigen.

Um 1350: Althofen beginnt sich zum bedeutenden Eisenhandelsplatz zu entwickeln.

1381: Erzbischof Pilgrim bestätigt Althofen das Recht, dass alles Eisen aus dem Hüttenberger Revier nur an die Bürger Althofens verkauft werden dürfe.

Um 1420: Die Kirche am Thomasberg wird zur gotischen Pfarrkirche ausgebaut.

1424: Untermarkt wird von einem Unwetter heimgesucht.

1470: Althofen erhält eine Freiung für den jährlichen Markt.

1479: Althofen erhält sein Wappen.

1480: Großer Brand im Oberen Markt.

1480 – 1490: Althofen ist Stützpunkt für ungarische Truppen.

1511: Die Althofener verlieren in einem Prozess gegen St. Veit das Eisenniederlegungsrecht.

1580: Althofen beginnt selbst mit der Eisenproduktion und errichtet in den Gurkauen ein Hammerwerk.

1608: Karl Veldner legt mit der Gründung des ersten Floßofens in Kärnten den Grundstein für die Treibacher Eisenindustrie.

1698: Der gesamte Hochofenbetrieb kommt in die Hände des Leobener Eisenverlegers Paul Egger.

1753: Max Thaddäus von Egger macht den Betrieb zu einem Weltunternehmen.

1806: Der Markt Althofen wird in eine Staatsherrschaft umgewandelt und damit verliert das Erzbistum Salzburg all seine Güter.

ab 1850: Das Kärntner Eisenwesen kommt in Schwierigkeiten. Die Konkurrenz im In- und Ausland steigt.

1869: Die Hüttenberger Eisenwerksgesellschaft wird gegründet unter Beteiligung des Werkes Treibach.

1884: Der Feuerwehrverein wird ins Leben gerufen.

1887: Die Hochöfen werden niedergeblasen und die Anlage an eine Holzhandelsfirma verkauft.

1889: 12 Männer gründen die Sängerrunde Althofen.

1895: Der Althofener Radfahrverein wird gegründet.

1897: Carl Auer von Welsbach erwirbt die Eisenhütte. Er errichtet ein Forschungsinstitut und ein elektrisches Kraftwerk an der Gurk.

1898: Carl Auer von Welsbach erfindet die Metallfadenlampe.

1903: Carl Auer von Welsbach erfindet den Cereisen-Zündstein.

1905: Carl Auer von Welsbach entdeckt hier zwei neue Elemente.

1907: Die Treibacher Chemische Werke Ges.m.b.H. wird gegründet.

1912: Einweihung der neuen Schule.

ab 1945: Das Gebiet zwischen dem Alten Markt und Treibach wird besiedelt.

1964: Das Musisch-Pädagogische Bundesrealgymnasium zieht in Töscheldorf ein.

1970: Der niederländische Konzern Philips errichtet einen Fertigungsbetrieb.

1973: Gründung der Handelsschule und der Handelsakademie.

1975: Das Kur- und Rehabilitationszentrum Althofen wird eröffnet.

1980: Das Bundesschulzentrum wird eingeweiht.

1981: Die Tilly Holzindustrie nimmt ihren Betrieb auf.

24. 6. 1993:: Althofen wird zur Stadt erhoben.

1994: Fa. Philips läuft unter dem Namen Neutronics weiter.

1997: Fa. Neutronics fusioniert sich mit Fa. Flextronics.


Die ersten Zeugnisse menschlicher Anwesenheit in Althofen sind zwei Steinbeile aus der Jungsteinzeit (ca. 4.000 – ca. 2.000 v. Chr.)7. Eines fand man 1899 am Oberen Markt, eines 1924 nahe dem Annenturm.8

Bei Renovierungsarbeiten an der Cäcilienkirche stieß man 1988 auf Scherben und ein Henkelfragment aus der späten Bronzezeit (ca. 1350 – ca. 850 v. Chr.)9.10

Im Jahre 1900 entdeckte man bei Umbauarbeiten des Bahnhofs ein hallstattzeitliches (ca. 850 - ca. 300 v. Chr.)11 Hügelgrab,12 welches auf eine Siedlung in näherer Umgebung schließen lässt.

Die Kelten (ca. 300 – 15 v. Chr.) haben keine archäologischen Zeugnisse hinterlassen.13 Nur der keltische Name Matucaium,14 jener römischen, wohl bei Althofen gelegenen Straßenstation,15 lässt auf Besiedelung in dieser Zeit schließen.

Spätestens in der Mitte des ersten Jahrhunderts v. Chr. bildete sich das Königreich der keltischen Noriker (Regnum Noricum), das sich zwischen Tauernhauptkamm, Pack und Save erstreckte,16 und somit auch die Gegend um Althofen einschloss. Nun gewann auch das Hüttenberger Eisenrevier mit seinem Norischen Eisen überregionale Bedeutung.17

15 v. Chr. eroberten die Römer das Land,18 errichteten die römische Provinz Regnum Noricum19 und hinterließen Spuren in Form von Gräbern20 und Inschriftsteinen. Zwei können heute noch an der Pfarrkirche, je einer an der Pfarrkirchhofsmauer, in der Cäcilienkirche und am Mardaunig-Stadel besichtigt werden.21 Von spätantiker (ca. 300 – ca. 600 n. Chr.)22 Besiedelung zeugt nur eine Tonscherbe.23

Mit der beginnenden Slawisierung um 600 n. Chr. mag zwar „die Antike“ enden, das Leben in Althofen ging aber wohl weiter. Denn 1943 wurden in der Gegend des heutigen Flex-Werkes slawische Gräber gefunden,24 und zwar in unmittelbarere Nähe zu römischen Gräbern, die 1971 zum Vorschein kamen.25

Zusammenfassend wusste der antike Mensch also das Leben seit der Bronzezeit hier wohl zu schätzen, denn Matucaium bedeutet womöglich „der gute Platz“;26 eine auch noch heute passende Bezeichnung für Althofen.

Als Erinnerung an das antike Erbe der Stadt erhielten 1968 im Zuge der Einführung von Straßennamen in Althofen27 die Kelten- und die Römerstraße ihre Namen.28

Autor: Günther Jannach (Althofen 2021)

Anmerkungen

(7): Datierung der Jungsteinzeit in Kärnten nach Gleirscher 1994, S. 16.
(8): Größer 1899, S. 216; Piccottini 1989, S. 23; Gleirscher 2000, S. 741.
(9): Datierung der Späten Bronzezeit für Kärnten nach Gleirscher 2011, S. 119.
(10): Pichler 1994b, S. 695.
(11): Datierung der Hallstattzeit für Kärnten nach Gleirscher 2011, S. 119. Die These, die Träger der Hallstattkultur wären Illyrer gewesen, wie es auf der Tafel am Hornturm steht, ist, wie Gleirscher 2006, S. 18 zeigt, nicht mehr haltbar.
(12): Frankl 1901, S. 32; Jacksch 1901, S. 55; Gleirscher 2005, S. 100 f.
(13): Die auf Amberger 1968a, S. 8 zurückgehende und auf der Geschichtstafel am Rathaus wiedergegeben These, hinter der Kalvarienbergkapelle läge eine Keltensiedlung, ist nicht belegbar.
(14): Auf einer „tabula Peutingeriana“ genannten, nach Weber 1989, 116 spätantiken Straßenkarte ist Matucaium als erste oder zweite Station auf dem Weg von Virunum am Zollfeld nach Wels verzeichnet. Der Ortsname ist nach Holder 1896, S. 479 u. 483 und Holder 1904, S. 684 keltischen Ursprungs.
(15): Rutter 2018, 169.
(16): Strobel 2015, S. 28 ff. u. S. 57.
(17): Strobel 2015, S. 75.
(18): Cass. Dio, 54, 20; Flor., epit., 2, 21 f.; Strab., geogr., 206.
(19): Strobel 2011, S. 220 u. S. 226.
(20): Größer 1900, S. 214; Piccottini 1972, S. 56.
(21): CIL, III, 5023 bis 5025 u. 14365/2; Leber 1972, Nr. 213. In Eberdorf wurde 1888 nach Größer 1888, 205 der Grabstein CIL, III suppl. 11637 gemeinsam mit Resten antiker Grundmauern gefunden; er ist aber heute verschollen.
(22): Nach Eichert 2011, S. 107 endete in Kärnten „im späten 6. und frühen 7. Jh. […] die römisch geprägte Spätantike“.
(23): Pichler 1994a, S. 728.
(24): Eichert 2010, S. 191.
(25): Piccottini 1972, S. 56.
(26): Matucaium setzt sich nach Holder aus den keltischen Wörtern „matu-s“ für Bär und „*caio-n“ für Gehege, eingefriedeter Platz oder Ähnliches zusammen. (Holder 1896, S. 479 u. 483 und Holder 1904, S. 684) Dottin 1920, S. 86 übersetzte Matucaium deshalb wohl mit „Bärenwald“. Lambert und Pinault 2007, S. 50 wiesen darauf hin, dass „matu-s“ ein Eigenname sein, und Matucaium so „Gehöft / Dorf des Matus“ bedeuten könnte. Kranzmayer 1955, S. 30 hingegen wollte Matucaium vom keltischen „*mato-“ / „*mati-“ für gut ableiten, da sich aus seiner Sicht der Ortsname in slawischer Übersetzung im nahe gelegenen Dobritsch (Slowenisch „dober“ für gut) erhalten hätte. Gegen diese These spricht, dass sprachwissenschaftlich nach Hüttenbach 1989, S. 103 eine Ableitung aus „*mati-“ wohl die Ortsnamenformen Maticaium oder Matocaium ergeben hätten.
(27): Printschitz 1968.
(28): Amberger 1968a, S. 2 u. S. 8.



Im Mittelalter entwickelte sich Althofen von einem Gutshof, dessen Ursprünge wohl schon in der Antike lagen, als Teil des Erzbistums Salzburg zunächst zu einem bedeutenden Markt, um am Ende der Epoche schließlich der Handelsplatz des Eisens aus dem Hüttenberger Revier zu werden.

Drei Gräber aus spätkarantanischer Zeit (ca. 740 – ca. 820 n. Chr.)29, die 1943 in der Nähe des heutigen Flex-Werkes gefunden wurden,30 sprechen wohl für eine durchgehende Besiedelung Althofens von der Antike ins Mittelalter.

953 kam das Gebiet mit und um Althofen an das Erzbistum Salzburg. König Otto I. schenkte nämlich der Salzburger Kirche „ein Gut (predium) in Karantanien […] in einer Crapofelt [Krappfeld] genannten Gegend“, wie es eine Urkunde bezeugt.31 Dieses „Gut“ umfasste, wie es weiter heißt, „einen Herrenhof (curtem) und eine Burg (castellum) mit allem, was dazugehört; nämlich den Unfreien beiderlei Geschlechts, den Almen, Huben, Gebäuden, Wiesen, Weiden, Weinbergen, Gewässern, Mühlen [und] Wegen“.32

Um 1200 wurde die romanische Cäcilienkirche errichtet,33 die 1434 als Kirche der „Heiligen Cäcilia in Altenmarch“ erstmals urkundlich erwähnt wird,34 und die heute die einzige der Heiligen Cäcilia aus Rom geweihte Kirche Kärntens ist.35

1204 ist mit „Algerus, iudex de Altenhoven“ erstmals ein Richter von Althofen bezeugt;36 1246 erstmals eine Maut in Altenhoven.37

1268 spricht eine Urkunde zum ersten Mal „vom Markt Altenhoven“.38 Dieser Markt lag im heutigen Ortsteil Untermarkt. Denn 1307 gestattete König Albrecht I., dass der Salzburger Erzbischof „den Markt Altenhoven in Kärnten nahe Friesach auf den Thomasberg verlege und dort eine Befestigung […] errichte“, wie es in der Urkunde heißt.39 Der nun ehemalige „Markt Althofen“ hieß fortan Altenmarkt,40 und Althofen hatte nun einen Oberen und einen Unteren Markt.

Um 1350 gewann in Kärnten die Eisenerzeugung und somit auch der Eisenhandel an Bedeutung,41 wodurch vor allem Althofen als Handelsplatz des Hüttenberger Eisens wirtschaftlich profitierte. So berichteten um 1373 St. Veiter Bürger ihrem Herzog Albrecht von Kärnten, „dass man in Altennhofen eine [Eisen-]waage und auch eine ungewöhnliche Maut errichtet“ habe, worauf dieser den Statthalter des Salzburger Erzbischof bat, dass er „keine Neuerung macht, und es auch dabeibleiben lässt, wie es von alters her ist“, wie es im Schreiben heißt.42 1381 bestätigte Erzbischof Pilgrim aber, dass alles Eisen aus den erzbischöflichen Herrschaften in Hüttenberg, Lölling und Mosinz „zuerst auf den Oberen Markt in Altenhoffen“ gebracht, dort gewägt und ausschließlich „einem Bürger aus Altenhoffen“ verkauft werden müsste.43 Als Zwischenhändler des Hüttenberger Eisen wurde Althofen nun vermögend.

Um 1420 wurde die erstmal 1307 erwähnte Thomaskirche44 zur heutigen, gotischen Stadtpfarrkirche Althofen ausgebaut,45 die bis heute die einzige dem Heiligen Thomas von Canterbury geweihte Kirche Kärntens darstellt.46

1424 nahm, wie Johann Valvasor (1641 – 1693) überliefert, „in Altenhofen ein großer Wolkenbruch […] vielen Menschen und Vieh“ das Leben, „vor allem im untern Marckt, wo allein über 60 Personen, meist Frauen und Kinder umkommen“.47

Schon vor 1461 verfügte Althofen über ein sogenanntes Bürgerspital,48 also ein Armen- und Altenhaus,49 welches „bei der Heiligen Cäcilia Kirche“ lag, wie eine Urkunde belegt.50

1470 verlieh der Salzburger Erzbischof Althofen für den „nach löblicher Gewohnheit jährlich […] in Altenhoven“ am fünften Sonntag nach Pfingsten gehaltenen Jahrmarkt eine Freiung, die von Donnerstag vor bis Donnerstag nach diesem Sonntag stehen sollte.51 1542 wurde dieser Markt, um in eine „bequemere und nützlicher Zeit“ zu fallen, wie es in der Urkunde heißt, dann auf den Sonntag nach dem Martinstag (11. November) gelegt.52

1479 stellte der Salzburger Erzbischof, der sich im Konflikt mit Kaiser Friedrich III. befand,53 dem ungarischen König Matthias Corvinus seine Festungen zur Verfügung, um während der Dauer des Türkenkrieges ihn, wie es im Vertrag heißt, „gegen diese und andere Feinde“, also Friedrich zu verteidigen.54 Zwar widersetzten sich „die von Altenhofen […] eine Zeit lang“, wie Jakob Unrest (ca. 1430 – 1500)55 überliefert, schließlich mussten sie die ungarischen Truppen aber doch im Frühjahr 1480 einlassen.56

Wohl noch 1480 ist Althofen „gar bis an das Schloss abgebrannt, und es haben die Menschen alles Hab und Gut nach Friesach geführt“, wie der damalige Bamberger Hauptmann von Kärnten berichtete.57

Im November 1490 schließlich zogen die Ungarn wieder ab, und im Anschluss übernahm ein Abgesandter des Salzburger Erzbischofs wieder Althofen; „diesem mussten die Bürger von Alltenhofn treue Untertanen zu sein und Gehorsam schwören“, wie es bei Jakob Unrest heißt.58

Zahlreiche Sehenswürdigkeiten zeugen noch heute vom mittelalterlichen Althofen. So beispielsweise die um 1200 entstandene Cäcilienkirche,59 die wohl das älteste, erhaltene Gebäude der Stadt darstellt,60 oder der um 1300 errichtete Annenturm,61 Teil der teilweise noch heute vorhandenen mittelalterlichen Befestigungsanlage Althofens, oder die aus dem frühen 15. Jahrhundert stammenden gotischen Pfarrkirche.62

Im Zuge der Einführung von Straßennamen in Althofen 196863 wurde der Marktplatz64 in Salzburger Platz umbenannt, um an die Zugehörigkeit Althofens an Salzburg zu erinnern.65 Eisenplatz, Eisenstraße, Knappensteig und Mautgasse sollten an Althofens Rolle als Eisenhandelsplatz verweisen.66 Erzbischof Pilgrim, der 1381 Althofen ein Eisenprivileg ausstellte,67 widmete man die Pilgrimstraße.68 Die Freimarktstraße sollte an den 1470 erwähnten Jahrmarkt mitsamt Freiung69 erinnern,70 die Martinigasse71 an die spätere Abhaltung jenes Marktes um den Martinitag am 11. November.72 An die Türken- und Ungarnzeit Ende des 15. Jahrhunderts wollte man mit der Türkenstraße und der Ungarnstraße hinweisen.73 Der Vorpachweg wurde nach Georg Vorpach benannt,74 der 1441 eine Kaplanei stiftete, womit jede Woche in der Cäcilienkirche eine Messe gelesen werden konnte.75 Die Nikolaistraße erhielt ihren Namen, weil Amberger annahm, der alte Namen der Cäcilienkirche wäre St. Nikolai gewesen,76 wofür es aber keine Belege gibt. Immerhin erwähnt ein Bericht von 1616 neben der Cäcilienkirche gleichzeitig eine Kapelle des Heiligen Nikolaus am Friedhof, womit vielleicht der Karner bei der Kirche gemeint sein könnte.77 Die Ledergasse hingegen wird als „Ledergassen zu Alltenhoven“ bereits 1458 erwähnt,78 und der Name mag auf dort ehemals angesiedelte Lederer verweisen.79

Autor: Günther Jannach (Althofen 2021)

Anmerkungen

(29): Karantanien entstand im Laufe des siebten Jahrhunderts, kam kurz nach 740 in bairische Abhängigkeit, und wurde schließlich wohl 817, vielleicht aber auch erst 828 eine bairische Grafschaft. (Gleirscher 2018, S. 150 ff. u. S. 294)
(30): Eichert 2010, S. 165 u. S. 191.
(31): MHDC, III, Nr. 112.
(32): MHDC, III, Nr. 112.
(33): Nach Deuer und Grabmayer 2008, S. 139 reicht die Kirche „dem Baubestand nach sicher in die Zeit um 1200 zurück“.
(34): MHDC, XI, Nr. 136.
(35): Dehio 2001, S. 1156.
(36): MHDC, I, Nr. 402.
(37): MHDC, II, Nr. 578.
(38): MHDC, IV, 2, Nr. 2984. 1268 wird ja nur beiläufig erwähnt, dass Althofen ein Markt ist, gegründet wurde der Markt also früher. Für Dinklage 1968, S. 166 ließ „die rechteckige Form des Platzes“ in Untermarkt erkennen, dass der Markt nach 1225 gegründet worden wäre. Ulbrich 1939, S. 11 u. 177 hingegen erkannte einen „unregelmäßigen Straßenplatz“, eine Marktplatzform, „die zumeist dem späten 12. Jahrhundert zugerechnet werden könne“.
(39): MHDC, VII, Nr. 422.
(40): So erwähnt eine Urkunde von 1435 neben der Kirche des „Heiligen Thomas von Canterbury in Altenhofen“ die der „Heiligen Cäcilia in Altenmarch“. (MHDC, XI, Nr. 136)
(41): Es war nach Dinklage 1968, S. 169 das Aufkommen großer, wasserbetriebener Hämmer zur Eisenverschmiedung, die diesen „ganz außerordentlichen Aufschwung der Kärntner Eisenerzeugung und des daraus resultierenden Eisenhandels zur Folge“ hatten.
(42): Vidimus von 1592 (AT-KLA 418-B-A 1661 F St, r6).
(43): Urkunde vom 2. April 1381 (Münichsdorfer 1870, Anhang 3). Dass „1230 Erzbischof Eberhard […] Althofen das Niederlags-, das Waag-, und das Mautrecht“ verliehen hätte, wie es auf der Geschichtstafel am Rathaus heißt, ist nicht direkt belegt.
(44): Bereits 1307 wird der Berg Thomasberg genannt, (MHDC, VII, Nr. 422) dessen Name sich wohl von einer dortigen Kirche des Heiligen ableitete.
(45): Der Bischof von Lavant rief nach Wichner 1897, S. 35 um 1400 zu Sammlungen für den Ausbau der Kirche auf. Und 1417 verkaufte man noch der „Kirche Notdurft wegen“ Grund, wie es in einer Urkunde vom 15. Juni 1417 (AT-KLA 418-B-C 2345 St) heißt.
(46): Dehio 2001, S. 1157.
(47): Valvasor 1684, 10.
(48): Eine Urkunde vom 25. Juli 1461 (AT-KLA 418-B-A 1071 St) erwähnt ein „Spitall zu Altenhoven“. Amberger meinte einerseits, „Georg Vorpach stiftete 1424 das Bürgerspital“, andererseits aber auch, dass „das Bürgerspital [...] 1428 aus einer Stiftung Jörgs aus der Vorha“ hervorging. (Amberger 1968a, S. 2; Amberger 1968b, S. 15). Die entsprechenden Urkunden sind verschollen.
(49): Mittelalterliche Spitäler wirkten nach Scheutz und Weiß 2015, S. 32 als „als Armenanstalten, als nicht therapieorientierte frühe Krankenhäuser und als Findel-, Waisen- und Altersheime“.
(50): Urkunde vom 17. Jänner 1469 (AT-KLA 418-B-A 1171 St).
(51): MHDC, XI, Nr. 427.
(52): Urkunde vom 27. Mai 1542 (AT-KLA 418-B-A 2143 St). 1935 hatte aber dieser „einstige, stark besuchte Martinimarkt seine Bedeutung ganz verloren. Der Krämermarkt hat vollständig aufgehört, der Viehmarkt war nur sehr schwach besucht“, wie die Kärntner Zeitung vom 17. November 1935, S. 13 berichtete.
(53): Mayer 1877.
(54): Urkunde vom 3. Oktober 1479 (Mayer 1877, Beilage 20b).
(55): Lebensdaten nach Grossmann 1957, S. VIII.
(56): Unrest, Österr. Chronik, 647.
(57): MHDC, XI, Nr. 526. Da der Lagebericht nur Kampfhandlungen erwähnt, die nach Unrest, Österr. Chronik, 649 ff. im Sommer 1480 stattfanden, sich aber der Brand „am vergangenen Dienstag“, also kurz bevor der Brief verfasst wurde, ereignete, brannte Althofen wohl in der zweiten Hälfte 1480.
(58): Unrest, Österr. Chronik, 747.
(59): Deuer und Grabmayer 2008, S. 139.
(60): Ginhart 1927, 31 sah im Annenturm das älteste, erhaltene Gebäude der Stadt, da dessen Gestalt den um 1100 entstandenen Burgfrieden in Friesach „nahe verwandt“ scheine. Hauser 1895, 164 hingegen nahm aber wohl zu Recht an, dass der Turm zeitglich mit dem Festungsausbau, also um 1300 errichtet wurde, da die „noch vorhandenen Festungsmauern aus ähnlichen Bruchsteinen ausgeführt sind“.
(61): Hauser 1895, S. 164.
(62): Buchowiecki 1952, S. 361 f.
(63): Printschitz 1968.
(64): So wird der Platz mit dem Gnomenbrunnen etwa in der Kärntner Zeitung vom 28. Juli 1901, S. 4. „Marktplatz“ genannt, ebenso bei Ginhart 1927, 33.
(65): Amberger 1968a, S. 1.
(66): Amberger 1968a, S. 1 u. 2.
(67): Urkunde vom 2. April 1381 (Münichsdorfer 1870, Anhang 3).
(68): Amberger 1968a, S. 6.
(69): MHDC, XI, Nr. 427.
(70): Amberger 1968a, S. 8.
(71): Amberger 1968a, S. 10.
(72): Urkunde vom 27. Mai 1542 (AT-KLA 418-B-A 2143 St).
(73): Amberger 1968a, S. 5.
(74): Amberger 1968a, S. 2.
(75): Obersteiner 1988, 98.
(76): Amberger 1968a, S. 10.
(77): Fresacher et al. 1958, S. 137.
(78): Urkunde vom 22. August 1458 (AT-HHStA SbgE AUR 1458 VIII 22).
(79): Amberger 1968a, S. 8.

 


Quellen

Amberger 1968a = Amberger, E.: Legende zu den Straßen-, Wege- und Plätzebezeichnungen im Ortsbereich der Marktgemeinde Althofen, Althofen 1968.
Cass. Dio = Cassius Dio: Römische Geschichte – Übersetzung Otto Veh, Düsseldorf 2007.
CIL = Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (Hg.): Corpus Inscriptionum Latinarum, Berlin 1862 ff.
Flor., epit. = Florus: Abriß der Römischen Geschichte – Übersetzt von Wilhelm Pahl, Wien 1834.
Kärntner Zeitung vom 28. Juli 1901 = Kärntner Zeitung, Klagenfurt 28. Juli 1901.
Kärntner Zeitung vom 17. November 1935 = Kärntner Zeitung, Klagenfurt 17. November 1935.
MHDC, I = Jaksch, A. (Hg.): Monumenta Historica Ducatus Carinthiae, I, Klagenfurt 1896.
MHDC, II = Jaksch, A. (Hg.): Monumenta Historica Ducatus Carinthiae, I, Klagenfurt 1898.
MHDC, III = Jaksch, A. (Hg.): Monumenta Historica Ducatus Carinthiae, III, Klagenfurt 1904.
MHDC, IV, 1 = Jaksch, A. (Hg.): Monumenta Historica Ducatus Carinthiae, IV, 1, Klagenfurt 1906.
MHDC, IV, 2 = Jaksch, A. (Hg.): Monumenta Historica Ducatus Carinthiae, IV, 2, Klagenfurt 1906.
MHDC, IX = Wießner, H. (Hg.): Monumenta Historica Ducatus Carinthiae, IX, Klagenfurt 1972.
MHDC, VII = Wießner, H. (Hg.): Monumenta Historica Ducatus Carinthiae, VII, Klagenfurt 1961.
MHDC, XI = Wießner, H. (Hg.): Monumenta Historica Ducatus Carinthiae, XI, Klagenfurt 1972.
Printschitz 1968 = Printschitz, R.: Vorbemerkung. In: Legende zu den Straßen-, Wege- und Plätzebezeichnungen im Ortsbereich der Marktgemeinde Althofen, Althofen 1968.
Strab., geogr. = Strabo: Geographica – In der Übersetzung und mit Anmerkungen von Dr. A. Forbinger, Berlin 1855-1889 / Wiesbaden 2007.
Unrest, Österr. Chronik = Jakob Unrest: Österreichische Chronik – Grossmann, K. (Hg.): Jakob Unrest: Österreichische Chronik, Weimar 1957.
Urkunde vom 15. Juni 1417 (AT-KLA 418-B-C 2345 St) = Kärntner Landesarchiv: Allgemeine Urkundenreihe AT-KLA 418-B-C 2345 St.
Urkunde vom 17. Jänner 1469 (AT-KLA 418-B-A 1171 St) = Kärntner Landesarchiv: Allgemeine Urkundenreihe AT-KLA 418-B-A 1171 St.
Urkunde vom 2. April 1381 (Münichsdorfer 1870, Anhang 3) = Münichsdorfer, F.: Geschichte des Hüttenberger Erzberges, Klagenfurt 1870, Anhang 3.
Urkunde vom 22. August 1458 (AT-HHStA SbgE AUR 1458 VIII 22) = Haus-, Hof- und Staatsarchiv: Salzburg, Erzstift, Allgemeine Urkundenreihe AT-HHStA SbgE AUR 1458 VIII 22.
Urkunde vom 25. Juli 1461 (AT-KLA 418-B-A 1071 St) = Kärntner Landesarchiv: Allgemeine Urkundenreihe AT-KLA 418-B-A 1071 St.
Urkunde vom 27. Mai 1542 (AT-KLA 418-B-A 2143 St) = Kärntner Landesarchiv: Allgemeine Urkundenreihe AT-KLA 418-B-A 2143 St.
Urkunde vom 3. Oktober 1479 (Mayer 1877, Beilage 20b) = Mayer, F.: Über die Abdankung des Erzbischofs Bernhard von Salzburg (Wien 1877), Beilage 20b, 73 f.
Valvasor 1684 = Valvasor, J.: Topographia archiducatus Carinthiae, Nürnberg 1684.
Vidimus von 1592 (AT-KLA 418-B-A 1661 F St, r6) = Erasmus von Ossiach: Notarielles Vidimus von 1592, Kärntner Landesarchiv: AT-KLA 418-B-A 1661 F St, r6.

Literatur

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